Claudia Martin steigt in die Hosen - St. Galler Tagblatt 02.08.2017

GOSSAU ⋅ Das Rätselraten hat ein Ende: Der Vorstand der SVP Gossau-Arnegg portiert Kantonsrätin Claudia Martin für den Stadtrat. Die Partei schliesst nicht aus, auch fürs Präsidium noch jemanden ins Rennen zu schicken.
Angelina Donati

Was für ein spannender Wahlkampf! Dass auch die SVP Kandidaten fürs Gossauer Präsidium und für den Stadtrat aufstellen möchte, hat die Partei zwar nie verheimlicht. Die kurzfristige Einladung zu einer Medienkonferenz auf vorgestern Montag heizte die ohnehin brodelnde Gerüchteküche richtig an. In der Mitteilung ging nämlich weder hervor, ob nun ein Kandidat fürs Präsidium oder für den Stadtrat vorgestellt wird. Oder gar zwei Kandidaten. Auch auf Nachfrage bei Markus Rosenberger, Vizepräsident SVP Gossau-Arnegg, gab es keine Konkretisierung.

Umringt vom Wahlstabteam, bestehend aus Markus Rosenberger, Gallus Hälg und Désirée Baldegger, wurde am Montag auf der Mult die Kandidatin für den Gossauer Stadtrat präsentiert: Claudia Martin. Der Name der 39-Jährigen wurde bei wichtigen Ämtern, die es in Gossau zu besetzen gilt, immer wieder ins Spiel gebracht. Auch hätte die SVP stets auf Claudia Martins Zustimmung gehofft, heisst es an der Medienkonferenz. «Mein Interesse war immer da», betont Claudia Martin. «Der Zeitpunkt aber passte für mich nicht. Jetzt aber ist er richtig. Ich wäre mit Herzblut dabei.» Sie ist überzeugt, dass sie ihr Amt als Kantonsrätin, ihre Teilzeitarbeit als Berufsschullehrerin, ihre Mutterrolle und bald auch das Amt als Gossauer Stadträtin unter einen Hut bringen würde.

Zeit fürs Präsidium ist noch nicht reif

Erste politische Erfahrungen machte Claudia Martin als Goss­auer Stadtparlamentarierin von 2005 bis 2013. Im Jahr 2006 präsidierte sie das Stadtparlament. Diese Erfahrungen kommen ihr zugute, wie sie sagt. «Nach zwölf Jahren in der Legislative ist es mein Wunsch, noch direkter beim Bürger zu sein», sagt Claudia Martin. Auch in ihrem Amt als Kantonsrätin, das sie weiterhin ausführen würde, sieht sie nur Vorteile. «Ausserdem habe ich eine objektive Sichtweise und keine Verstrickungen, etwa mit dem Gewerbe.»

Die SVP hat die Gossauerin auch angefragt, ob sie sich als neue Stadtpräsidentin sehen würde. «Momentan kommt dieses Amt für mich nicht in Frage. Meinen Beruf möchte ich noch nicht ganz aufgeben.» So oder so musste sich Claudia Martin den Schritt gut überlegen und genau abwägen, wie sie sagt. «Für Schnellschüsse bin ich nicht bekannt.» Dementsprechend gross ist die Freude bei Markus Rosenberger, «nach intensiven Gesprächen» Claudia Martin für das Amt aufstellen zu dürfen. Auch Fraktionspräsident Gallus Hälg ist begeistert, dass Claudia Martin für die SVP «in die Hosen steigt», wie er sagt. «Ich darf ihr ein grosses Kränzchen winden. Denn ich weiss, mit welch grossem Engagement sie sich stets einsetzt.» Am 24. August soll Claudia Martin von den SVP-Mitgliedern nominiert werden. Damit will die Partei es nach rund zehn Jahren zurück in die Exekutive schaffen. Mit einem Wähleranteil von knapp 30 Prozent möchte die SVP Verantwortung übernehmen, wie Markus Rosenberger weiter ausführt.

Rosenberger lässt es ausserdem offen, ob die SVP einen Kandidaten fürs Stadtpräsidium portieren wird. Einziger Anwärter ist momentan Daniel Lehmann, der Anfang Juli von der CVP ins Rennen geschickt wurde. «Ob Stadtpräsidium oder Stadtrat – wir begrüssen es, wenn dem Bürger eine Auswahl geboten wird», sagt Markus Rosenberger.

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«Jüngere Generation offener für SVP-Gedankengut» - Gossauer Nachrichten 02.06.2017

«Jüngere Generation offener für SVP-Gedankengut»

01.06.2017 09:00

Die SVP Gossau-Arnegg hat einen neuen Präsidenten. Der erst 23-jährige Pascal Fürer löst Markus Rosenberger ab, der nach sieben Jahren an der Spitze zurücktrat, als Vizepräsident aber im Vorstand der Ortspartei verbleibt.

Parteipräsidium An der Hauptversammlung der SVP wurde Pascal Fürer einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. Der gelernte Bäcker-Konditor macht aktuell eine Weiterbildung zum Technischen Kaufmann. Er ist gewillt, viel Herzblut und Zeit in die Leitung der Ortspartei zu stecken.

Pascal Fürer, Sie sind mit gerade mal 23 Jahren bereits Parteipräsident. Wie ist es dazu gekommen?

Ich bin seit sieben Jahren in der Jungen SVP des Kantons St.Gallen tätig und habe zusätzlich die letzten drei Jahre im Vorstand der Ortspartei Gossau-Arnegg mitgewirkt. Die Arbeit macht mir viel Freude. Als Markus Rosenberger den Rücktritt als Parteipräsident ankündigte, haben mich die Vorstandskollegen als geeigneten Kandidaten der Hauptversammlung vorgeschlagen.

Markus Rosenberger verbleibt als Vizepräsident im Vorstand. Sind Sie froh, seine Erfahrung nutzen zu können oder droht die Gefahr, dass er weiter die Fäden in der Hand hält?

Nein, diese Gefahr sehe ich nicht. Für mich ist die Rückendeckung aus dem gesamten Vorstand wichtig. Wir werden weiterhin einen aktiven Austausch pflegen.

Was ist Ihr Ziel als Parteipräsident?

Ich möchte noch aktiver auf die Bürgerinnen und Bürger zugehen. Man kann schliesslich nicht nur kurz vor den Wahlen präsent sein. So sollen Veranstaltungen wie Standaktionen oder ein Grillhöck verstärkt Platz finden. Ebenfalls veranstalten wir am 19. Juni einen Sessionsrückblick mit den SVP-Nationalräten Lukas Reimann und David Zuberbühler im Café Koller`s.

Wie sieht Ihr Tätigkeitsbereich aus?

Ich werde die Sitzungen leiten, bei den Fraktionssitzungen mitwirken, die Partei gegen aussen vertreten und Veranstaltungen planen.

Bei den Parlamentswahlen kamen Sie nur auf den zehnten Platz von 15 Kandidaten. Warum sind Sie trotzdem der richtige Präsident?

Ich werde mein Bestes geben, um die Partei erfolgreich zu führen. An der Hauptversammlung wurde ich einstimmig gewählt. Ich habe also das Vertrauen der Mitglieder.

Viele junge Mitglieder sind bei euch aktiv. Wie erklären Sie sich diesen Umstand?

Die jüngere Generation identifiziert sich mehr mit dem Gedankengut der SVP. Das ist erfreulich. Als junger Präsident werde ich natürlich versuchen, die jungen Leute vermehrt für Politik zu begeistern. So sind wir beispielsweise auf Facebook aktiv.

Dafür fehlen euch die Frauen...

Das ist richtig, doch dieses Problem stellt sich bei allen Parteien. Immerhin traten gerade in den letzten zwei Wochen zwei 20-jährige Frauen der Partei bei. Letztlich steht das Wohl von Gossau und der SVP zuoberst, unabhängig vom Geschlecht der Vertreter. Wir werden aber versuchen, die eine oder andere Frau für unsere Partei zu begeistern.

Interview: Tobias Baumann

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Präsident mit Ehrgeiz - St. Galler Tagblatt 20. Mai 2017

GOSSAU ⋅ Pascal Fürer tritt die Nachfolge von Markus Rosenberger an. Der 23-Jährige präsidiert neu die SVP Gossau-Arnegg.

Gerade einmal 23 Jahre ist Pascal Fürer jung, und schon präsidiert er die SVP Gossau-Arnegg. Am Donnerstag wurde er von den 30 Mitgliedern an der Hauptversammlung einstimmig als Nachfolger von Markus Rosenberger gewählt. «Ich freue mich auf die Herausforderung», sagte der gelernte Bäcker-Konditor, welcher momentan eine Weiterbildung als Technischer Kaufmann absolviert. Sein Ziel für die SVP Goss­au-Arnegg ist bereits jetzt klar: An den nächsten kommunalen Wahlen in drei Jahren sollen zehn Sitze angestrebt werden.

Nach sieben Jahren gibt Markus Rosenberger das Zepter in neue Hände. Die SVP Gossau-Arnegg soll eine Erfolgsgeschichte bleiben, hielt er vor den Anwesenden fest. «Frischer Wind tut gut, und deshalb ist ein neuer Präsident das Richtige.» Er habe das Amt stets mit grosser Freude ausgeführt. Als intensiv und spannend bleibt Rosenberger die Arbeit in Erinnerung. Stets habe er grossen Rückhalt von seinen Vorstandskollegen erfahren dürfen. Deshalb ist das Bedauern über den Rücktritt Rosenbergers gross, hielt der ebenfalls scheidende Vizepräsident Benno Koller fest. «Markus Rosenberger hat sehr gute Aufbauarbeiten in der Partei geleistet. Er war stets mit anderen Vereinen, Parteien und dem Gewerbe verbunden.» Zu seinem Nachfolger Pascal Fürer sagte Koller: «Er steckt viel Herzblut in die SVP Gossau-Arnegg.» Man sei optimistisch, dass sein Engagement die Partei einen Schritt vorwärts bringe. (mbr)

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Aufgaben des Stadtrates auf sieben Schultern verteilen - Leserbrief Remo Schelb St. Galler Tagblatt 27.04.2017

Remo Schelb, SVP-Stadtparlamentarier Stationsstrasse 18, 9215 Arnegg

Es ist eine grosse Errungenschaft, dass unsere Politiker und Regierungen ihre Arbeit zu einem grossen Teil im Milizsystem beziehungsweise im Nebenamt wahrnehmen. In jüngster Zeit zeigen sich jedoch nicht nur Vorteile eines solchen Systems. Die Geschäfte werden immer komplexer und erfordern immer mehr Einarbeitungszeit.

Eine grosse Belastung erfahren die fünf Stadträte, davon drei im Nebenamt. Fällt einer der fünf aus oder tritt jemand überraschend zurück, kommt schlagartig eine Mehrbelastung auf die Verbleibenden von bis zu 20 bis 30 Prozent oder mehr dazu. Mit fortgeschrittener Amtsdauer kann diese Zusatzbelastung auch zu Überbelastungen und weiteren Ausfällen führen. Das heutige «Halbmilizsystem» ist meiner Meinung nach an seine Grenzen gestossen. Dies zeigen sowohl die Vakanzen nach dem Abgang von Bruno Damann und dem überraschenden Rücktritt von Stefan Lenherr. Unsere Regierung ist jeweils bis zur Einsetzung eines neuen Mitgliedes unterbesetzt. Der angekündigte Rücktritt des Stadtpräsidenten auf Mai 2018 wird ebenfalls zu Mehrbelastungen führen.

Entschärfung in dieser Problematik könnte zum Beispiel eine weitere Professionalisierung mit drei oder mehr vollamtlichen Stadträten schaffen. Will man beim Milizsystem bleiben, wäre die Ausweitung auf sieben Stadträte ebenfalls ein möglicher, guter Weg. Dadurch könnten wieder mehr und verschiedene Alters- und Gesellschaftsgruppen die Geschicke in Gossau leiten.

Das heutige Gossauer Modell mit zwei Voll- und drei Teilzeit-Stadträten ist zu überdenken. Die Aufgaben auf sieben Schultern zu verteilen und weiter zu professionalisieren scheint mir dabei die beste Lösung für unsere Stadt zu sein.

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Parlament lässt Stadtrat abblitzen - St. Galler Tagblatt 12.01.2017

Parlament lässt Stadtrat abblitzen

AUSGLIEDERUNG Einstimmig hat das Stadtparlament am Dienstag den Antrag des Stadtrates zur Verselbständigung der Stadtwerke abgelehnt – eine Enttäuschung für die zuständige Stadträtin.

12. Januar 2017, 05:36

Nur ein Traktandum hat die feierliche Stimmung nach der Wahl von Monika Gähwiler-Brändle (SP) zur Parlamentspräsidentin getrübt: Die Verselbständigung der Stadtwerke. Die zuständige Stadträtin Gaby Krapf-Gubser zeigte sich enttäuscht über die Resultate der Vorberatenden Kommission (VBK), die die Vorlage entschieden zurückwies.

Der Antrag des Stadtrates sah vor, die Stadtwerke ab 2018 als selbständiges öffentlich-rechtliches Unternehmen zu führen. Damit sollte deren Handlungsspielraum vergrössert werden, um den Herausforderungen im unbeständigen Markt gerecht zu werden, wie der Stadtrat schrieb.

Die VBK unter der Leitung von SVP-Parlamentarier Gallus Hälg stimmte dem Stadtrat in vielen Punkten zu. So sollten die Stadtwerke zwingend über mehr operativen Spielraum verfügen. Eine Änderung der Organisationsform sei aber «klar der falsche Weg», sagte Hälg. Er bemängelte die «magere Gegenüberstellung der Möglichkeiten», die der Stadtrat vorlegte. Insbesondere eine Lösung ähnlich der Organisation der St.Galler Stadtwerke fehle in der Abwägung. Anhand dieses Vorbildes schlug Hälg einen «Status quo plus» vor: Die Stadtwerke blieben Teil der Verwaltung, erhielten aber mehr Handlungskompetenz. Eine Ausgliederung hätte laut Hälg beim Stimmvolk ohnehin einen schweren Stand: Bereits 2003 hatte es sich an der Urne dagegen ausgesprochen. Die VBK lehnte den Vorschlag des Stadtrates daher als unausgereift ab. Sie erhielt Zustimmung aus allen Parteien.

Stadträtin Gaby Krapf zeigte sich erstaunt: Mit der Annahme der Entlastungsmassnahme «Stadtwerke verselbständigen» sah sie es als ihre Aufgabe an, dieses Vorhaben umzusetzen. Sie machte ihrer Enttäuschung Luft: Die VBK sei der Kernaufgabe der Legislative, Vorlagen kritisch zu prüfen und zu überarbeiten, nicht nachgekommen. «Die Zeit scheint noch nicht reif für einen visionären Schritt.»

Für Alfred Zahner (Flig), Mitglied der Vorberatenden Kommission, war nach dieser Schelte der feierliche Eindruck der Sitzung verflogen. Er forderte, dass das Parlament in einem neuen Anlauf früher einbezogen werde. Einstimmig schickten die Parlamentarier den Antrag zurück an den Absender.

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